Vorwinterabend

Ein Vorwinterabend
alles wirkte grau und wesentlich. 
Herbst klammerte sich, zitternd noch 
an einige Äste.
Hatte kein Wetter,
weder Nebel noch Nässe
am ehesten Dunst.
Luft war jene Kälte, die 
von Flocken, Frost und Spiegeln spricht.

Die Welt ganz wenig weit:
Farben hielten sich bedeckt 
waren schüchtern, unaufdringlich.
Es gab Rede vom Sterben, aber
kühl stand ein lichtes Leben 
wie aufgewacht, etwas frierend 
nicht mehr betäubt von Farbenbrunst…

Der umgedrehte Atem 
unseres Dampfes war
die Stimme dieser Stunde.
Blaue Lippen 
schwiegen die Wahrheit
und alles spricht.

Worte vom Fernweh


So stand ich da, mit stauned jungen Augen
und off'nem weit weit off'nem Herz
Im Kornfeld war es wie ein Raunen
und in mir wie ein neuer März

Obgleich schon Spreu fiel in die Winde
trägt Wind nicht meinen Aufbruch fort
und hinter Horizonten finde -
ich immer immer neues          Wort


Der Arbeiter

Ich habe den Staub vom Fenster gekratzt. Gleich mit dem Ärmel, ohnehin alles verstaubt. Da hat sich der Schleier ein wenig gelüftet und kurz schien das Leben herein.  Ich hab die Brillengläser abgepustet und die Vision wurde klarer:
da rief ein ganzes schönes Leben - rief alle - konnte von allen gehört werden
...aber Ich sah keinen hinaus laufen.



Die Mühle

Eisblumen am Stromkasten, aber er sieht es nicht.
Der Himmel muss herrlich rot sein, dem Lichte nach, aber er sieht nicht auf.
Er starrt auf seinen Finger: im Spanngurt eingeklemmt - grotesk zerdrückt.
Er spürt keinen Schmerz, dafür sind die Finger viel zu kaltgefrohren.
Nur der Finger; es könnte schlimmer um ihn stehen.
Komisch denkt er: viele der Zimmerleute um mich müssen ganz taubgefrohren sein.
Spüren nichts. Nichts von den grotesken Eindrücken die die Mühle ihnen in den Leib stampft.
Einige werden schwachsinnig gemahlen.
Aber die anderen stellen ja auch nicht die richtige Frage.
Und die Mühle bekommt weiter ihr Futter...





Die Frau von Gleis 9


 Der Mann sieht auf die Uhr, wirft die Stirn in Falten. Von unserer Position aus können wir die Uhr nicht sehen, aber sagen wir einmal es sei viertel nach 11.
Viertel nach 11 ist eine gute Zeit, und der Mann sieht aus wie ein Mann, bei dem es gerade viertel nach 11 ist.
Er steht recht dicht am Bahnsteigrand, sieht aber nicht eben wie jemand aus, der sich unvorsichtig oder gar töricht verhalten würde.
Er steht an Gleis 13. Dieser Umstand ist ein wenig seltsam, denn man würde ihn - das stimmen sie mir doch zu? - nicht für einen von Gleis 13 halten.
Die Züge auf Gleis 13 sind unbequeme Züge... nein, Gleis 13 ist gar kein gutes Gleis für ihn. Sperren wir doch einfach Gleis 13, es ist sicher zum allgemeinen besten.
Die Durchsage über die Sperrung seines Gleises, dem damitigem Verbleib aller entsprechender Züge außerhalb des Bahnhofgebäudes und des ersatzlosen Ausfalls der Befahrung dieser Strecken, scheint dem Mann zu stören....
Wie schwer kann es schon sein, zu akzeptieren, das Gleis-13-Züge in diesem Bahnhof nicht erwünscht sind? ...selbst wenn er ein Gleis-13-Mensch gewesen sein sollte...

Er ist natürlich kein Mann, der den Bahnhof, dieser Banalität wegen - denn anders kann man den Ausfall dieser Züge nicht bewerten: banal ...er ist niemand, der deswegen den Bahnhof meiden würde.
Verwunderlich ist allerdings, das er so oft - stets freundlich und höflich, aber das macht es nicht minder lästig - kleine aber bestimmte Beschwerden, das Gleis 13 betreffend, einreicht.
Nachdem aber das einzig richtige geschieht, die Beschwerden nämlich unbeachtet bleiben, liegt es also an dem Mann nun endlich wieder klar zu kommen.
Von den vielen Bahnsteigen probiert der Mann also auch tatsächlich den ein oder anderen aus. Fährt ein, zwei Stationen in eine Richtung, und sodann, mit der selben Linie wieder in den Bahnhof zurück. Aber die Einfahrt in den Bahnhof mittels anderer Gleise scheint ihm nicht zuzusagen.
Wie schwer kann es denn sein, sich einmal, mit einem, auch nur einem einzigen Gleis zu arrangieren?!

Gleis 10: der Mann sieht auf die Uhr, wirft die Stirn in Falten. - So sehen Menschen aus, die Zweifel an der Stimmigkeit des Fahrplans haben.
Natürlich steht er da völlig falsch. Falsche Zeit, falscher Ort. Dabei ist es doch so einfach! ...stehen doch alle Fahrplanänderungen groß angeschlagen in der Haupthalle.
Er ist wirklich besser, der neue Fahrplan. Und ist es etwa mein Versäumnis, dass er sich dem neuen Fahrplan (über den er sich ja jeder Zeit informieren könnte) nicht anpasst?
Jetzt blickt er auf. Sieht mich auf Gleis 9. Er lächelt. Er will zu mir, durch die Unterführung, auf meinen Bahnsteig.
Aber die Unterführung ist gesperrt. Sagen wir bis gegen 12.
Der Aushang über die einstweilige Sperrung und die damit einhergehende Unerreichbarkeit des Gleises 9, welche momentan gegeben und welche voraussichtlich bis ungefähr gegen 12 andauernd, scheint den Mann zu verwirren. Er schaut auf seine Uhr: viertel nach 11.
Das ist eine vernünftige, eine angemessene Zeit ... das wird mir sicher jemand bestätigen können.
Aber der Mann versteht es nicht. Wie kann es immer noch... war er nicht inzwischen mehrerer Strecken gefahren und wie kann es dann.. immer noch?!
Er stellt sich dicht ans den Bahnsteigrand. Will einfach durch das Gleisbett zu mir laufen. Ich halte ihn noch einmal auf. Doch dann lässt er sich nicht mehr aufhalten, tritt über das erste Eisen...
Fahrplanänderung. Zug 13: Gleis 10, Zug 9: Gleis 9, Vorsicht bei der Einfahrt.
Der Mann erbleicht. Ruft noch etwas - wird nicht mehr gehört.

Als die Züge das Gleisbett zwischen beiden Bahnsteigen wieder freigeben, ist von dem Mann nichts mehr zu sehen.
Ich weiß nicht ob er es geschafft hat, bin dem nie nachgegangen.
Wenn ja, ist er wohl mit der 13 abgefahren und wird nicht wieder in den Bahnhof kommen ...die 13 hält hier nicht.
Schade. Ich hatte ihn gemocht - meinen Gleiszehn-, Elfuhrfünfzehn-Mann.




Stille Zeitenwallung


Das Wasser macht Kopfsprünge ans Land.
            Bricht sich was...
Wie unbelehrbare Kinder
            - lustig weiter.
Die Erwachsenen sehen das nicht.
            Stehen vielleicht schon zulange drin.
Glauben sie haben Recht wenn sie Wellen
            "zerschlagen" nennen.

...das die Wogen das Land nicht besitzen bleiben
            ist nur die halbe Wahrheit.
Was fühlst du unter den Füßen?
            - aber du Trägst ja Schuhe




Hauptbahnhof

Über mir spannt sich ein Bogenhimmel
Lichterbahnen.
Und eingepfercht in der Hallenweite
stehen Dranggestalten
geduckt, eingefroren, wartend -
auf den Impuls,
der die Gewalten schienwärts  presst.



Ziegelwerk und Nebeltage


Der Tag lag in einer trüben Suppe. Über Bahndämme ging ich. Weit.
Und da, auf hohen, alten Brücken, an Feldrändern und Wiesen, da habe ich etwas wieder gefunden.
War ich schon der warm, gewohnten Stadt entlaufen, trug es mich plötzlich hinaus, über die gewohnte Wahrnehmung hinweg.
Und aus der absurden Welt des Josef K. stieg etwas, aus dem Buch, hinein in meine Welt.
Die Stadt, welche im Nebel vor mir lag, war eine andere, da ich ein anderer war.
Meine Gedanken überschlugen sich, loteten die Grenzen der Horizonte aus, füllten die endlose Weite - und doch, schien der Platz nicht zu genügen.
Ich breitete die Arme aus, legte den Kopf in den Nacken.
Wie lang hatten mich die Worte eines anderen nicht mehr so beflügelt.
Meine Gedanken rannten - tausend Wege gleichzeitig.
Und Etwas in mir, suchte etwas aus dem Moment hin zu retten. Denn so plötzlich der Sturm auch kommt, so schweigt er auch wieder.
            ---


Altes Ziegelwerk



Aus der bröckelnden Stadt bin ich hinaus gegangen. Als hätte mich jemand oder etwas gerufen.
Jetzt stehe ich am Ziegelwerk. Niemand sonst steht hier, und nie stünd` sonst gar jemand hier... außer mir.
Ich ziehe die Jacke fest um mich. Es ist kalt. Vielleicht hätte ich nicht allein gehen sollen, aber wer hätte mich schon begleitet. Und sieht man nicht allein oft so viel mehr?
Meine Kleidung scheint mir nicht zu passen, denn die Kälte kriecht überall hinein.
...verweister Ort. Jede Betriebsamkeit ist hier gewichen. Alles liegt brach. Der Schornstein hat ausgebrannt.
Man könnte meinen der Ort sei zur Ruhe gekommen ... ist er nicht. Im Gegenteil.
Die Unruhe ist tief in den Grund gesickert. Das rumoren der Maschinen schwingt im Boden nach. Dunkler Nachhall.
Der Stillstand ist dem Ort nicht gut bekommen, braucht er doch rauchenden Schornsteine, ratternde Bänder, klirrende Stangen, fauchende Öfen.
Kurz sehe ich ein Monster - wie ein eingesperrtes Tier, kaum atmend könnend, sich immer und immer fort in die Ketten werfend.
Ich blinzle. Nun ist alles wieder still und leer.

Die verwaschene, graue Nebelsuppe ist dem Ort das rechte Leichentuch. Mehr und mehr fürchte ich, der dünne Boden könne durchbrechen, die Wut des Ortes entfesseln.
Eine Dummheit! Sollte man doch die verhohlene  Gewalt viel mehr fürchten.
... Mir ist als ob Arbeiter, zu gefäßlosen Seelen verfallen, durch die Anlage schleppen.
Ein Geheimnis hat dieser Ort. Man spürt es deutlich. Und, obgleich man es nie erfahren wird - ist es doch mit dem letzten Ofen verglommen - sieht man sich dennoch geduckt danach um.

Jetzt erst merke ich, das der Ort überschwemmt ist.
Gleich einer Seuche schwappt Lehm- und Rostwasser an den angeätzt, mürbe gewordenen Zaun. Unter dem Hügel, hinter dem Zaun, die Stadt. 
Deren Menschen sind schwachsinnig geworden. Zu viel Nebel. Trübe Luft.
Plötzlich überkommt es mich. Ein böser Verdacht. Eine Ahnung. Wo kommt der Nebel her?
Ich wusste es. Dann mach ich den Fehler einzuatmen. Konzentrierter als jeder Städter...
Mein Hirn wird Brei. Fließt mir aus den Ohren.
Zuletzt denke ich an Hügel, Stadt und Zaun.... Verderben und Niedergang. 
Die Abrechnung im Verzug.

Wohin ich auch Blicke... oder: Präludium novum


Ist dieser Hügel nicht dir gleich,
wo Hals wird Brust, die Haut so weich
Und dieser Anhöh`n stolzer Schwung,
wie deine Kurven schön und jung.

Ist diese Steigung nicht gelenkt,
gleich deinem Leib den Gras entstämmt
Dein Lachen wie das Herbstwindspiel
zu dem dein Kopf zum Rücken fiel

Und deine Haut, oh ist sie nicht
wie Bronze glänzt im Abendlicht
Und deiner Haare Farbe schon,
wie Nussholz golden, braune Tön`


Zurück finden...

Oh, wie lange habe ich nichts mehr fertig gebracht!
Sicher, Schule fesselte mich, schnürte mir die Kreativität ab... Ausgerechnet in der Phase in der es einer Neufindung bedurfte, da plötzlich die Unruhe hinfort war... aber letztlich war ich einfach auch nicht kontinuierlich.

Lyrik, mein teurer, lieber Freund, sei mir treuer als ich dir.

Ich muss also zurück zur Poesie finden...

Schreiben ist nicht der Versuch die Welt in Worte zu fassen, sondern der Versuch die Worte zu hören, die die Welt zu einem spricht, wenn man lernt zu schweigen.

Meine Welt spricht jetzt anders, zumindest meistens, denn ich bin nun zu zweit.
(Wobei die Welt zu weilen ganz ähnlich dem früheren anhört ...dennoch, ein wenig anders dennoch!)

Heute Abend habe ich den Ruf wieder gehört! Ich wusste plötzlich ganz deutlich:
Die Worte sind zurückgekehrt - endlich!  

Eine Weile hatte ich nicht geschwiegen, war zu lange nicht lauschen.
Dem gigantischen Lied der Welt.
Und dann, ja dann war mir die neue Melodie fremd. Ein neuer Takt, mitten in der vertrauten Symphonie.
Ich habe die neue Stimme nicht erkannt, doch jetzt habe ich ihrer gelauscht:
Und ich begreife, das ohne sie so so viel gefehlt hatte!

Willkommen neue Stimme!

Willkommen neuer Takt, habe Einzug in meine Gedichte, sei der Teil des Orchesters, der mein Lied schöner macht, der nicht alles umwirft, sondern komplettiert.


Heimkehr bei Nacht


Tief in der wetterwindumwehten Spätsommernacht liegt der Pfad, eingebettet im Schwarz der Stunde. Und sparlierpreußischstehende Baumstämme säumen meinen Weg. 
In einem Moment stürmisch und schaurig, im nächsten flüsternd und schweigend begleiten mich die Stimmen oben in den Blättern.
Die Stadt ist nicht mehr fern. Man meint sie schon fühlen zu können: mit ihrer nun endlich eingeschlafenen Hektik und den verhallten Schritten auf dem Trottoir.
Alles ist gewohnt, so wie Hainichen eben ist - Nacht für Nacht. Doch, ganz plötzlich weckt etwas den schon fast eingeschlafenen Blick des Heimkehrers und ich sehe, eben noch von Zweigen verdeckt


Den
Nachthimmelschwarzdurchschneidenden,
backsteinrostbraunen,
stolzhochgestreckten, hausüberragenden,
Speerspitz sich reckenden
zeitewigtrotzenden
schmiedkreuzgekrönten
Kirchturm
der schlank, elegant,
erkerummauert, zufluchtspendend,
in Strenge und Güte 
die Heimat behüte

... so wie er es eben tut - unbemerkt - Nacht für Nacht.


---
In Anlehnung an Arno Holz, "Sankt Georgenkirche"



Verloren

Sonne fließt aus hohen Toren
setzt Silber sanft in Bächlein ein.
Ein Lüftchen säuselt in den Ohren
mein Herz will in der Ferne sein.

Die Turmuhr läuft die Stundenrunden
und Wolken gleiten tief ins Land.
Mein Stift hat sich im Vers gefunden,
wie Sehnsucht sich im Himmel fand.

Die Unruhe

Tausend mal schon ward in Stille
mir das Herze fort gerissen,
wenn Fanfaren hart und hallend
in die Nacht der Täler stießen

Da wir tief im inn`ren Sturme
farbig unsre Fahnen hissen
ließ das Drängen die Gedanken
weit in blaue Fernen schießen

Und mein Geist sprengt auf wie Pferde
wütend ins Gezäum verbissen
- Hufschlagtakte gegen Rippen,
in den Adern Feuerfließen ...



Aus dem Leben eines Glücklichen

(eine Kurze Novelle in Anlehnung an "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff)



...

Wir saßen da auf einem frisch gesägten Stamme und der angenehme Geruch des Holzschnittes umgab uns in wohligen Wolken. Mir war recht angenehm im warmen Sonnenscheine und ich reckte mir bequem die Glieder und stocherte nebst mit meinem Messer verspielt im Holze.
Als ich zu ihr hernüber sah, spielte ihr der Wind fröhlich im Haar und das Gold der Sonnenstrahlen tauchte ihr das Gesicht in Schönheit.
Wir sprachen da recht emsig von weltbewegenden Themen doch alsbald die Welt langsam für uns stille stand, gab erst einmal nichts mehr als ebenso angenehm zu schweigen.
Die Pferde standen fröhlich, zufrieden in ihrer Koppel und hohe Frühlingsbläue führte den Blick in weite Fernen.
Ich wünschte mich, mit ihr, unendlich fort und doch immer hier zu bleiben.

Obwohl wir lange schon da saßen konnt` ich mich noch immer nicht des Glücks besinnen, denn es fehlte ja nichts, wo ich und sie da wahren – einzig das Mittagsmahl hätt` noch vorüber spazieret kommen können. Und siehe da, so rief auch schon der Kutscher fröhlich unser und lud zum Essen in die familiäre Stube, auf einen Hirsch.
Das Wildbret mundete und nach dem ich erst nicht so recht wusste wovon parlieren so plauderte ich als bald munter heraus und nicht lange, da umgaben mich fröhlich die Gespräche.
Als noch die Gastgeberin fleißig den Tische räumte, da hielt uns schon langsam nichts mehr in den Wänden und das Wetter lockte.
Wie von Posthörnern rief eine Ferne zu Wäldern, Bächen und einsamen Höhen. Da überfiel mich ganz ungestüm die einst`ge Wanderslust. Ich sah zu ihr  und fing ein stummes Ja.
Und eh man sichs versah, da zogen wir frisch aus der Häusersenke immer gen Walde, wo die Gedanken und der Geist im frischen Blühen übergehen.
Der Wind weckte die Wiese und Halme flüsterten aufgeregt in der Sonne.
Mir war so überschwänglich, das ich hätt` springen können und mein Herz sang fröhlich wie Posaunen in die Felde:

Der Wind trägt hin zu weiten Fernen
und Hörner schallen durch die Luft
Sein Spiel lässt bunte Bänder schlagen
und weht um uns den Frühlingsduft

Der Feldweg brennt sich in den Himmel
er führt tief in den Horizont
wo blau sich malt in Mittagsstunden
wie nie ein Maler hätt`s gekonnt

Die Wiesen flüstern bei der Seite
die Sonne strahlt ihr schönstes Licht
Es ruft die Welt zu frischen Hainen
wir folgen - Sorge hält uns nicht!

In Schönheit, Feldweg, Wind und Himmel
auch über uns soll Gott nun thronen
Wir wandern freu`n uns seiner Führung
und Momente werden zu Äonen

Und wie ich so singe, fliehen auch die letzten Hauche von Winterblässe.
So gingen wir ein her, immer zu, in Waldes grüner Sommerfrische. Der Weg hielt uns aber nicht all zu lange, denn linksseitig blinkte uns schon bald eine freundliche Waldwiese.
Kaum lagen die satten Körper in dem satten Grase und trieben uns noch die ein oder anderen angenehmen Gedanken um, so waren wir doch als bald eingeschlafen.
Beim erwachen tauschten sich angenehmen Blicke – es ward spät geworden.
Wüsst` man nicht von Gottes frohen Welt, das sie an schön noch stets mehr zu bieten mag, so hätt` ich wohl auf ewig hier, an ihrer Seite, im Grase liegen bleiben wollen.

So erhobnen wir uns indes gemütlich schüttelten die Schlumm`rigkeit aus den Gliedern und wanderten frohen Mutes – ich zu erst noch baren Fußes – auf ihres und des Kutschers Hause zu, frisch und fröhlich in den Tag hinein.
Ich hatt` noch keinen Gedanke wie des Abends wieder nach dem eigenem Heim zu gelangen, doch der Tag war zu vergnügt und as Miteinander zu lustig um sich mit derlei zu belasten.
Und es stellte sich schon, alsbald wir bei ihr angelangt und nach einer Tasse angenehmen Kaffee, da trat der Kutscher herzu und bot - wie es eben eines Kutschers art - mich zu kutschieren.

Und so saßen wir, ich neben ihr, wenig später munter auf oben auf und wiegten im lustigen schaukeln der Kutsche in den Abend hinein und die Menschen in den Dörfern grüßten und winkten uns herzlich hinterdrein.

...

Der Bruch

Worte stellen sich aus - und
Wände fliehen ihrer Räume
Wälder schweigen, köpfen sich, die
Wege führen sich ... ins Nichts

Tage überleben sich, in
Träume die ihm Nächte töten
Türme taumeln, beugen sich, als
Treue sich die Wahrheit bricht

Zeiten stolpern kalt vorüber
Zerstörtes glänzt in Augen, die
Ziele als entronnen seh'n

Helden müssen immer fallen
Hoffnung ist ihr Unterschied, und
Hoch auf wird er wieder steh'n

Endlos


Folge mir zu Orten,
wo niemand sonst uns folgen kann
Und führe mich mit Worten,
die nur noch ich ergründen kann

Auf der winterweißen Leinwand

In den glitzernd, leuchtenden Schnee
in die frierend, Parade stehenden Stoppeln
wo Zeigerschläge nicht mehr länger drängen,
da der Moment im Schnee erfriert.

In die Baumeswindesnschatten
über die glatten unberührte Flächen,
wo Gedanken rennen lernen
und ihre Prägung hinterlassen.

Stumm in rückgewandten Augen
glänzen Spuren in den Tag,
die nun vielfach mehr bedeuten,
als der Tritt für sich allein
---

Folge mir zu Orten,
...wo die endlose Einsamkeit
nur noch endlos ist

Und führe mich mit Worten,
...die die Endlosigkeit
uns Eigen machen








Als wir noch Helden waren


Und dann war ich endlich angekommen
am Ort vergessener Schlachten,
unbesungener Helden.
Stand still, ehrfürchtig - benommen
vor vergangenen Bollwerken,
fremder Zeiten
über die golden Erinnerungen ronnen

Fluten von Gefühlen umspielten mich,
jagten den Puls und es schauderte frisch

Erwartungsvoll sah ich die Schanze hinauf.
Einst bliesen dort hallend die Hörner ins Tal,
leises Klirren von kaltem Stahl
und Geschichte nahm spielend gewaltigen Lauf

Mir war als ob die Zeit zu mir sprach.
Donnern auf Hügeln von denen Abenteuer brach

Blitzen von polierten Beschlägen
Uniform an Uniform
in der Brust patriotisches Beben

Gespenstige Stille, wenn der Moment schweigt
und nur noch brennende Spannung bleibt
Mit singenden Schwertern und gespanntem Hahn
wird der Pflicht genüge getan
Wir waren Helden, die niemand entthront
nichts als den feurigen Sieg gewohnt
            -

und doch, so viel später, steh ich nun hier
nichts ist mehr da, nur noch Erinnern in mir
So viele Fremde bewandern den Grund
ohne zu wissen jener glorreichen Stund
Gern würd` ich erzählen, gern gäb ich es Kund,
doch ein eisiges Stechen verschließt mir den Mund 

Wir haben die Schanze verteidigt, so lang
die Ebene durchsteift, die Grenzen bewacht
Tag für Tag und Nacht für Nacht
aber auf einmal, war der Zauber vergang`

Aus dem Bollwerk wurden Hügel
Aus dem Held ist ein junger Mann
            -

Jetzt kann ich nur noch selten die Schlachten sehn,
die blinkenden Uniformen, die prächtig stehn
nur Sekunden beleuchtet, dann ist das Feld wieder leer
und die Sehnsucht sticht zu wie ein metallener Speer

Aus dem Rauschen in den Ohren ist Vernunft geworden
und die Kinderphantasie ist schweigend gestorben
            -

Nur manchmal, sehne ich mich heimlich danach
als wir noch unbesiegbar waren
und Schlachten ohne Blutvergießen
 ...als der Wind noch vom Abenteuer sprach




Abenddämmerung


Feuerglanz der späten Stunde,
edle Dämm`rung bricht herein
leise und von Schönheit trunken
stellt sich rot der Abend ein

Stummer Dampf entschleicht der Lunge
schleiert blass im Gold des Lichts
Sonne flutet schwach die Felder
letzte Wärme erstickt im Nichts

Von meinem Tritt gebeugte Halme 
flüstern lange hinterdrein
und mit sanft umspielnder Kälte 
verglimmt der letzte Tagesschein

Der Schritt kehrt sich, die Welt lernt Schweigen
als die Nachtgedanken steigen

Der Abend brennt im Kopf noch nach,
als plötzlich der Moment zerbrach  

Misstrauensmomente


  Wie immer beginnt alles ganz harmlos. Du befindest dich in einem perfekten Moment. Die Welt ist in Ordnung und so soll es auch bleiben. Doch dann, ganz plötzlich, siehst du da in den Augen ein Funkeln, was da nicht sein darf. Du bemerkst einen Zusammenhang, den es nicht geben sollte. Du belauschst ein Wort, was nicht hätte gesprochen werden dürfen. Und langsam bröckelt dein Bild der Dinge. 
Was willst du sehen? Jetzt in diesem Moment ist noch nichts zu spät, du kannst dein Wunschdenken weiterhin über die Realität stellen                 ...aber, nur einen einzigen Satz weiter kannst du es nicht mehr. Du hinterfragst deine Realität von jenem Moment an in dem du auch nur über ein von Wünschen verklärtes Bild nachgedacht hast - der Wendepunkt ist überschritten.
Egal, was man darüber sagt, das der Mensch von Grund auf böse ist - daneben steht noch eine andere Wahrheit: der Mensch ist naiv. Und ausgerechnet diese Tatsache kann dich jetzt retten! Durch deine Gutgläubigkeit, kannst du die Unantastbarkeit deines Gegenübers wahren ...kannst du nicht! Weil du auf keinen Fall, als Naiv gelten willst.

Völlig egal was jetzt noch kommt - egal ob du jetzt noch erkennst, dass Vertrauen keinesfalls Naiv ist und egal ob du wieder bereit bist das gute im Menschen zu sehen          ...es ist wieder einmal ein klitzeklein wenig zu spät. 

Schleichen, wispernd bricht der Verdacht
er lässt dich nicht schlafen, stiehlt dir deine Nacht
die Zunge drängt Worte. Du beschließt zu schweigen
doch, ob du willst oder nicht, er ist schon dein Eigen

dich umspielt nun der Argwohn  mit kalter Hand
er treibt dich zu Grenzen - und über den Rand
Aus Folgegedanken Bereitwilligkeit quellt
die Erinnerung nun von kaltem Zweifel entstellt

Ein wenig zu achtlos, so sperrst du ihn tot
doch brennend dringt er weiter, gen jedem Verbot
letztlich - zu spät - entscheidest` zu wissen...
der dünne Faden Vertrauen ist dennoch gerissen

 Nichts ist mehr harmlos. Du versuchst verzweifelt diesen dünnen Faden wieder herzustellen. Nach dem wir nun weit über den Wendepunkt sind ist das sozusagen - um in unserer Metapher zu bleiben - die Handlungsverzögerung, aber das Leben ist kein Drama! Während auf der Bühne jeder noch so unlösbare Konflikt in einem Ende gipfelt, ob gut oder schlecht sei dahingestellt, läuft das Leben weiter. Unendlich, quälend lange trägst du nun dieses Misstrauen mit dir.
Du kannst nicht mehr die Augen heben und nicht gemeinsam lachen. In Gedanken steht nur noch der verdacht. Du denkst irgend wann ist vergessen, aber du vergisst nicht....

Geben wir dir eine Zweite Chance, denn auch das unterscheidet Leben von Drama: es ist selten zu spät. Geben wir dir eine Zweite Chance, was machst du anders?
"letztlich - zu spät - entscheidest` zu wissen..."  Warum nicht eher?

Mach mal musst du entscheiden zu wissen bevor du Klarheit hast
mit ewigem Zweifel zu leben ist die größere Last
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Wie immer beginnt alles ganz harmlos. Du befindest dich in einem perfekten Moment. Die Welt ist in Ordnung und so soll es auch bleiben. Doch dann, ganz plötzlich... entscheidest du wie es weiter geht.

Das System


Pläne... Da plant man einmal nichts geplant zu haben und dann scheitert es in letzter Sekunde, weil irgend jemand sich anmaßt mich zu verplanen!
Man entscheidet sich in die Natur zu flüchten und ganz unentschieden mit raschem Schritt durch die Welt zu bummeln, doch irgendwie...  Warum ich das wollte? Weil ich einmal, nur dieses eine mal gänzlich unabhängig von den rennenden, ungeduldigen, ständig drängenden Zeigern der Uhr sein wollte. Ich wollte unabhängig von dem sein, was sie verkörpern: Zeit! Ach wäre das nicht toll? Einmal weder im Gestern noch im Morgen zu sein und nicht einmal im Hier und Jetzt...
Ich habe circa 2 Tage um zeitlos zu sein, also saß mir der harte Takt schon wieder im Nacken  - man kann anscheinend nicht entkommen!
Nun gut. Zeit lässt sich nicht überwinden, aber das, was sich Hier und Jetzt schimpft, ist nicht nur durch Zeit, sondern auch durch Ort definiert, also kann man dem Gefüge doch entkommen! Man lässt die Zeit Zeit sein  und entzieht die Koordinate "Ort".
Einfach mal da sein, wo man ist und dahin gehen, wo man nicht herkommt, ohne Ziel - aber Sonntag rechtzeitig am Zug sein und Abends die Boofe ¹, die Schlafstelle finden!
Ort ist ebenfalls unbesiegbar!
Eingliederung in das stressige System ist notwendig, ohne Zeit, Ort, Verpflichtung, Nachweise, Angaben, ohne das "Zeit- Ort- System" geht es nicht. Ohne das können wir nicht leben.
Aber mit auch nicht!
Wir schlafwandeln von Tag zu Tag, nur Kaffee verleiht uns des Morgens gerade genug Kraft, um wieder aufstehen zu können. Was ist Leben? Zumindest ist das ewige Kreisen von Schlaf zu Arbeit, nur um dann wieder, nach einem viel zu kurzem Schlaf sich als lebende Leiche ins Wochenende zu retten, definitiv kein Leben!
Ich lebe in der Natur, ich lebe in meinem Freunden und ich lebe, nicht zu Letzt, in meinem Glauben!
Wo lebst du?



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¹ für die Ortsunkundigen: das ist ein Felsvorsprung, der zum drunter schlafen geeignet ist z.B. bei mehrtägigen Wandertouren in der Sächsischen Schweiz, wie in meinem Falle